Eine herbe Enttäuschung gab es für die demokratische Favoritin Hillary Clinton am Dienstag: Bernie Sanders gewinnt überraschend die wichtige Vorwahl in Michigan. Dennoch steigt Clinton als mathematische Siegerin der Wahlnacht aus. Bei den Republikanern bleibt Donald Trump souverän auf Kurs Nominierung. Nächsten Dienstag wird es große Vorentscheidungen geben.

50:48 Prozent bei knapp 1,2 Millionen abgegebenen Stimmen: Bernie Sanders zeigt, dass Umfragen in Michigan gerne danebenliegen. Denn Analysten sahen Hillary Clinton in dem großen Bundesstaat vorne. Doch die wachsende Armut brachte Sanders auch bei Minderheiten akzeptable Werte. Der Trinkwasserskandal in Flint erhöhte die Abneigung gegen das Establishment, auch bei der letzten TV-Debatte ging die ehemalige First Lady gegen den Senator unter.

Delegierte auf Seiten Clintons, langes Rennen möglich
Auch wenn die Niederlage in Michigan einer Blamage gleicht, gewann Clinton in der Nacht mehr Delegierte als Sanders. Der Rückstand in Michigan war gering, in Mississippi konnte sie aber rund 83 Prozent der Stimmen hinter sich vereinen. Dementsprechend konnte sie ihren Vorsprung ausbauen. Dennoch: Michigan zeigt abermals, dass Sanders doch noch konkurrenzfähiger ist als kurzzeitig gedacht. Clinton bleibt natürlich Favoritin auf die Nominierung, das Rennen könnte sich aber bis zu den letzten Vorwahlen im Juni hinauszögern.

Trump souverän, Rubio in Problemen
Donald Trump konnte 3 der 4 Vorwahlen am Dienstag gewinnen. In Michigan gewinnt er klar mit 37% vor Ted Cruz und John Kasich. Kasich zeigt sich immer mehr als die eigentliche Alternative des Establishments, Marco Rubio geht in Michigan mit gerade einmal 9% unter. In Mississippi erreicht Trump gar 47% und gewinnt klar vor Ted Cruz. Abermals platziert sich Kasich mit 9% klar vor Rubio (5%). Zumindest in Hawaii konnte sich Rubio auf Platz 3 platzieren, das Bild vorne bleibt  aber dasselbe: Trump vor Cruz, dann lange nichts. In Idaho konnte Ted Cruz vor Trump, Rubio und Kasich gewinnen.

Brokered Convention wird wahrscheinlicher
Bei den Republikanern weist immer mehr darauf hin, dass Trump die Vorwahlen gewinnen wird. Die Frage wird aber, ob er die notwendige absolute Mehrheit für die Nominierung gewinnt. Wenn nicht, würde es eine Brokered Convention geben. Am Parteitag der Republikaner würde es dann ab dem 2. Wahlgang freie Wahl für alle Delegierten geben. Medial wird kolportiert, dass die Republikaner so eine Alternative zu Donald Trump nominieren könnten.

Nächster Super Tuesday als Vorentscheidung?
Am nächsten Dienstag wird es wieder heiß. Mit Florida, Illinois, Missouri, Ohio und North Carolina wählen allesamt recht große Staaten. Bei den Demokraten werden alle Vorwahlen mit proportionaler Delegiertenverteilung durchgeführt. Dennoch wird Clinton hier mehrere Siege brauchen, um nicht in eine Spirale von Niederlagen zu geraten, die sie weiter schwächen. Bei den Republikanern wählen alle Staaten außer North Carolina nach dem Winner-takes-it-all-System, der Erstplatzierte bekommt also alle Delegierten.

Bei den Republikanern könnte der Super Tuesday das Feld zertrümmern. Marco Rubio muss in seinem Homestate Florida gewinnen, ansonsten ist seine Kampagne am Ende. Ähnliches gilt für John Kasich in Ohio. In beiden Staaten führte Trump zuletzt knapp, während Kasich sich derzeit im Aufwind, Rubio sich im Tief befinden. Trump muss jedenfalls beide Staaten gewinnen, sonst wird eine Brokered Convention wahrscheinlich. Dementsprechend wird der nächste Dienstag viel entscheiden.