Heute steht bei den Republikanern eine weitere Vorentscheidung an: In 5 Staaten und auf den Northern Marianas wählen die Parteianhänger ihren favorisierten Präsidentschaftskandidaten. Es wird sich heute wohl auch vorentscheiden, ob Donald Trump die absolute Mehrheit an Delegierten hinter sich vereinen kann, oder ob die Republikaner vor einer Brokered Convention, also einem Nominierungskonvent ohne Nominierten, stehen. Warum gerade heute? Mit Ohio und Florida wählen die zwei wohl wichtigsten Bundesstaaten der Hauptwahl, dazu noch nach dem Winner-takes-it-all-Prinzip.

Zwischenstand und Ergebnisse der Vorwahlen der Republikaner finden Sie hier.

Bei diesen 6 Wahlgängen alleine werden 295 Delegierte ausgeschüttet, 1.237 braucht es für die absolute Mehrheit. Donald Trump liegt in den Umfragen überall in Führung oder knapp dahinter auf Rang 2. In einem Rennen mit 4 konkurrenzfähigen Bewerbern reicht das allerdings nicht. Es braucht deutliche Siege und viele Delegierte, um eben mit der absoluten Mehrheit die Nominierung abzusichern. Genau hier liegt der Knackpunkt: Es wird laut Hochrechnungen von FiveThirtyEight sehr knapp mit der absoluten Mehrheit für Trump.

Illinois, Missouri und North Carolina
Doch beginnen wir bei jenen drei Staaten, die ihre Delegierten nicht gänzlich nach dem Winner-takes-it-all-Modell vergeben. In Illinois (69 Delegierte), North Carolina (72) und Missouri (52) liegt Trump überall vorne. Allerdings ist Ted Cruz dem Baulöwen auf den Fersen. In North Carolina wird proportional gewählt, in Missouri gibt es alle Delegierten bei absoluter Mehrheit (nicht wahrscheinlich), Illinois hat ein abgewandeltes System, in denen Winner-takes-it-all in den einzelnen Kongressbezirken gilt. Hier geht es für Trump darum, möglichst 1. zu werden und Delegierte zu hamstern.

Florida & Ohio: All or nothing
In Florida und Ohio werden die Vorwahlen vorentschieden. 99 Delegierte in Florida und 66 in Ohio werden ganz einfach vergeben: Wer 1. wird, bekommt alle Stimmen. Donald Trump braucht diese Vorwahlsiege unbedingt. Er ist laut den schon erwähnten Hochrechnung auf dem Weg, rund 1.300 Delegierte zu gewinnen. Verliert er Ohio, schwebt er an der Grenze, verliert er Florida, ist er darunter, verliert er beide Staaten, ist die Absolute sehr wahrscheinlich weg. In Florida ist damit jedoch nicht zu rechnen, Marco Rubio scheint ihm in den Umfragen nicht nahe genug zu kommen.

In Ohio hat ihn allerdings John Kasich, der Gouverneur des Bundesstaates, in letzten Umfragen überholt. Eine Niederlage würde einfach bedeuten, dass Trump um die Nominierung kämpfen muss und, sollte es nicht zu großen Veränderungen kommen, wenige Stimmen ausschlaggebend sein könnten, ob Trump nun nominiert wird, oder nicht.

Schreckgespenst Brokered Convention
Die Republikaner halten vom 18. bis zum 21. July in Cleveland Ohio ihren Nominierungskonvent ab. Normalerweise ist dieser ein Schaulaufen des designierten Präsidentschaftskandidaten, umrundet mit Reden aller Parteigrößen. Gibt es jedoch keinen fixen Nominierten, sieht die Welt anders aus. Alle Bewerber buhlen um die Delegierten, die im Laufe des Wahlprozesses großteils freigestellt werden, also nicht mehr an die Vorwahl in ihrem Bundesstaat gebunden sind. Das kann in einer unendlichen Anzahl an Wahlgängen enden, bis letztendlich ein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht.

Wahlgänge im Detail
Im ersten Wahlgang sind 95% der Delegierten gebunden, sie müssen also so wählen, wie es die Vorwahlen bestimmt haben. 5% sind frei und können wählen, wen sie wollen. Hat danach kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht, kommt es zum zweiten Wahlgang. In diesem sind nun 57% der Delegierten frei zu wählen, wen sie wollen. Gibt es immer noch keinen Sieger dürfen ab dem 3. Wahlgang 81% der Delegierten frei wählen. Ob und wann Delegierte frei wählen dürfen, hängt von den Regelungen in Ihren Bundesstaaten ab.

2012 etablierten die Republikaner zudem eine neue Regel: Ein Kandidat muss in zumindest 8 Vorwahlen mehr als 50% der Stimmen gewinnen, um nominiert werden zu können. Donald Trump gewann bis jetzt bei 5 Vorwahlen mit absoluter Mehrheit. Die Republikaner setzen derzeit alles daran, diese Regel abzuschaffen.

Überraschungen möglich
Man darf bei den Delegierten jedoch nicht vergessen: Sie werden von den einzelnen Kampagnen aufgestellt, dass heißt, sie sympathisieren mit jenem Kandidaten, für den sie auch als Delegierter zur Convention fahren. Es entstehen Pattstellungen. Eine Nominierung Trumps ist bei einer Brokered Convention unrealistisch, über seine eigenen Delegierten hinaus ist er unpopulär. Gleiches gilt für Ted Cruz. Marco Rubio wird als zu liberal angesehen. Gleiches gilt auch für John Kasich. Allerdings spricht für ihn in am meisten, darum ist er auch noch im Rennen. John Kasich ist gut vernetzt und gilt gegen Hillary Clinton als am chancenreichsten. Er ist bei Unabhängigen sehr beliebt und zudem Gouverneur des wichtigsten Battlegrounds der Wahl: Ohio.

Wie schon in einem früheren Artikel erklärt, konnte noch kein Republikaner die Präsidentschaft ohne Sieg in Ohio gewinnen. Das dürfte sich auch 2016 nicht ändern. Zudem könnte Kasich im Nachbarstaat Pennsylvania gut abschneiden. Eine Niederlage der Demokraten in Pennsylvania wäre einer Wahlniederlage praktisch gleichzusetzen. Sein Argument wäre also, dass er die Präsidentschaft zu den Republikanern am ehesten zurückholen könnte.

Oder es gibt eine Überraschung und die Republikaner einigen sich auf einen Kandidaten, der erst gar nicht zu den Vorwahlen angetreten ist. Viel wurde über Mitt Romney spekuliert. Er schließt einen erneuten Versuch allerdings aus. Auch sein Vizepräsidentschaftskandidat von 2012, der jetzige Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, steht hoch im Kurs. Oder eben ein Kandidat, mit dem jetzt noch niemand rechnet. Was auch immer passiert, die Republikaner stehen mitten im Chaos: Entweder sie bekommen einen machthungrigen und irrationalen Quereinsteiger oder eine unklare Vorwahl. Jedenfalls müssen sie zur Hauptwahl viel Schaden reparieren.