Die große Vorentscheidung am Super Tuesday blieb aus. Zwar konnten Hillary Clinton und Donald Trump klare Siege erringen, doch bleiben Bernie Sanders, Marco Rubio und Ted Cruz durch gute Einzelergebnisse im Rennen. Dennoch zeigt sich immer klarer, dass das Hauptwahlduell auf Clinton und Trump herausläuft. Letztendlich könnten sich beide Vorwahlen aber noch lange herauszögern, denn die Kampagnen der Verfolger können lange am Leben erhalten werden, ohne Aussicht auf einen Erfolg am Ende.

Bernie Sanders konnte auf Seiten der Demokraten sein Pflichtprogramm weitgehend erfüllen. Lediglich Massachusetts ging von den umkämpften Staaten an Clinton. Das ist für Sanders jedoch schmerzhaft. Massachusetts gilt als einer der sehr liberalen Staaten in New England. Ähnlich wie in Vermont, Connecticut, Maine oder Maryland zählen für ihn hier nur Siege, um zumindest eine kleine Koalition gegen die Clinton-Staaten aufzubauen. Auch zeigt sich, dass Sanders bei den Caucuses weiterhin sehr stark bleibt, wie die Erfolge in Colorado und Minnesota zeigen.

Praxis und Mathematik
Hillary Clinton zieht bei den Delegierten nun über die Anzahl von 1.000 hinweg und hat somit schon fast die Hälfte der notwendigen Stimmen für die Nominierung hinter sich. Während es praktisch geschehen nicht so aussieht, als könnte Sanders Clinton wirklich noch einholen, dauert es bis zum mathematischen Sieg für die ehemalige First Lady noch sehr lange. Das liegt unter anderem daran, dass große Staaten wie New York und Pennsylvania erst Ende April, der größte Staat California gar erst im Juni wählt.

Dementsprechend kann es passieren, dass Sanders seine Kampagne noch lange am Leben erhält, eben weil Clinton mathematisch das Ziel noch ebenso lange nicht erreichen könnte. Das schadet Clinton: Ihr Sieg wirkt weniger fulminant, die Parteifronten können erst später geeinigt werden und letzten Endes muss sie ihre Wahlkampfstrategie weiterhin auf Vorwahl ausrichten und kann noch nicht taktisch notwendig für die Hauptwahl in die politische Mitte rücken.

Nur Einzelerfolge für Trump-Verfolger
Für die beiden Verfolger von Donald Trump, Marco Rubio und Ted Cruz, wird die Situation auch schwieriger. Ted Cruz ist bei den Delegierten der erste Verfolger Trumps. Er gewinnt auch am Super Tuesday immerhin 3 Staaten. Sein Ass im Ärmel, sein Heimatstaat Texas, spielte ganz nach seinen Vorstellungen. Marco Rubio konnte in Minnesota immerhin seinen ersten Sieg erreichen. Doch das ist zu wenig. Die knappe Niederlage in Virginia könnte sich rächen, hier wäre ein wenig Momentum für Rubio möglich gewesen. Während John Kasich und Ben Carson wohl endgültig nur mehr als kleine Stimmendiebe der Favoriten fungieren, sucht der Rest des Feldes verzweifelt nach Staaten, in denen Trump besiegbar ist.

Für Rubio und Cruz sieht es nach den Umfragen aber für die nächsten Wahlgänge bitter aus. Trump wird bereits am Samstag weitere große Siege feiern. Für Rubio gibt es aber zumindest noch die große Hoffnung auf Florida. Am nächsten kleinen Super Tuesday in 2 Wochen werden nämlich alle 99 Delegierten aus seinem Homestate nach dem Winner-takes-it-all-Verfahren vergeben. Jedoch führt auch hier Trump, der Sieg für Rubio ist aber noch möglich.

Das Unvermeidbare herauszögern
In den meisten Bundesstaaten, die demnächst wählen, liegt Trump vor Rubio und Cruz. So gesehen könnte es passieren, dass der Senator aus Florida seinen Kollegen aus Texas überholt. Jedenfalls rangeln sich beide nur um Platz 2. Mit ihren punktuellen Erfolgen schaffen sie wohl nur eines: Die Nominierung von Donald Trump herauszuzögern, eben am politischen Leben bleiben, weil man zum Sterben gerade noch zu agil ist.