Dank neuem Kaltem Krieg: INF-Atomabkommen zwischen Ex-Sowjetunion und USA droht Aushöhlung durch NATO

Vor 30 Jahren unterzeichneten die USA und die Sowjetunion den INF-Vertrag. Erstmals während des Kalten Krieges wurde damit eine ganze Waffengattung verschrottet und die akute Atomkriegsgefahr für Europa gebannt. Doch nun droht eine Aushöhlung des Abkommens.

Im Herbst 1983 trat der Kalte Krieg in seine heißeste Phase. Nachdem US-amerikanische Spionageflugzeuge in den Wochen und Monaten zuvor wiederholt die Luftabwehr der Sowjets provoziert hatten, schoss das nervös gewordene sowjetische Militär am 1. September im Fernen Osten über der russischen Insel Sachalin die vom Kurs abgekommene südkoreanische Passagiermaschine KAL 007 versehentlich ab. Der damalige US-Präsident Ronald Reagan ließ es sich nicht nehmen, die 269 toten Passagiere als neuerlichen Beweis für die Unmenschlichkeit des von ihm so genannten „Reich des Bösen“ zu vereinnahmen.

Dreieinhalb Wochen später, in der Nacht vom 25. auf den 26. September, schrillten um 0:15 Ortszeit im Satellitenkontrollzentrum bei Moskau die Sirenen. Insgesamt fünfmal hintereinander meldete das Frühwarnsystem einen Start amerikanischer Interkontinentalraketen. Nur dem besonnenen Verhalten des diensthabenden Offiziers Stanislaw Petrow, der die Nerven behielt und – wie sich später herausstellte, richtigerweise – der Militärführung einen Fehlalarm aufgrund eines Computerirrtums meldete, ist es zu verdanken, dass der Welt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Atomkrieg aus Versehen erspart blieb!

Kommentar: Stanislaw Petrow ist verstorben: Der Mann, der die nukleare Apokalypse verhinderte

Und vom 2. bis 12. November simulierte die NATO im Rahmen des Manövers „Able Archer 83“ den Atomkrieg gegen die Sowjetunion unter so realistischen Bedingungen, dass Staats- und Parteichef Jurij Andropow, von einem unmittelbar bevorstehenden amerikanischen Überraschungsangriff fest überzeugt, die sowjetischen Bomber in der DDR und Polen startklar machen und – einmalig in der Geschichte des Kalten Krieges – mit scharfen nuklearen Sprengköpfen bestücken ließ. Auch hier hat die Welt großes Glück gehabt, wenn es stimmen sollte, dass ausgerechnet der ins NATO-Hauptquartier eingeschleuste DDR-Topagent Rainer Rupp alias „Topas“ der Sowjetführung noch rechtzeitig vermelden konnte, dass es sich bei „Able Archer“ tatsächlich nur um eine Übung handelte.

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