Das Gehirn hat sich mehrfach unabhängig voneinander entwickelt

Vorne ein Gehirn, dahinter ein Nervenstrang: Bisher hielt man dies für ein uraltes gemeinsames Konzept. Doch Gen-Daten zeigen, dass viele Tiergruppen unabhängig voneinander Gehirne entwickelten.

Auf den ersten Blick sind sich die Nervensysteme von Menschen und Fliegen recht ähnlich. Neue Forschungsergebnisse deuten aber darauf hin, dass der Unterschied zwischen ihnen grundlegender ist als bisher vermutet. Demnach entstanden die Strukturen des Zentralnervensystems in den verschiedenen Untergruppen der zweiseitig-symmetrische Tiere (Bilateria) im Verlauf der Evolution unabhängig voneinander. Wie eine Gruppe um José M. Martín-Durán von der University of Bergen in Nature berichtet, unterscheiden sich die genetischen Mechanismen der Nervensystementwicklung zwischen Ringelwürmern, Armfüßern und Rädertierchen so stark, dass ein gemeinsamer Ursprung unwahrscheinlich ist. Offenbar ist das Gehirn kein gemeinsames Merkmal der Bilateria, sondern das Ergebnis konvergenter Evolution. Dass diese Nervensysteme sich in ihrem Aufbau ähneln sowie in manchen Mechanismen ihrer Entwicklung, ist also womöglich nur ein Nebeneffekt des zweiseitigen Körperbaus.

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