Fast ohne Hilfe: Wenn Männer Opfer häuslicher Gewalt werden

20 Prozent der Opfer von häuslicher Gewalt sind nach Schätzungen Männer. Doch viele Hilfsangebote kümmern sich nur um Frauen. Dürfen Männer keine Opfer sein? Das Feature über dieses tabuisierte Phänomen wurde gerade mit dem Journalisten-Preis des „Weißen Ring“ ausgezeichnet.
René Pickhardt: „Ich hab drei Jahre lang in ’ner Beziehung gelebt, in der ich häusliche Gewalt erlebt hab. Das war also psychische Gewalt, körperliche Gewalt und nach der Trennung auch ’n sexueller Übergriff. Ja, durch diese Gewalterfahrung bin ich an ’ner posttraumatischen Belastungsstörung erkrankt, die ich seit zwei Jahren behandele.“

René Pickhardt ist 31 Jahre alt und 1,88 Meter groß. Ein durchtrainierter Mann mit kräftigem Händedruck und offenem Blick. Die blonden Haare hat er zu einem Zopf am Hinterkopf zusammengeknotet. Pickhardt promoviert an der Uni Koblenz im Fachbereich Informatik über Sprachverarbeitung in Computern.

Pickhardt hat gründlich darüber nachgedacht, ob er diesem Interview zustimmen soll, denn er will über etwas reden, über das man (bzw. Mann) eigentlich nicht spricht: über Männer, die von ihren Frauen geschlagen, gedemütigt, sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt werden. René Pickhardt will seine eigene Geschichte erzählen.

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