Es ist der große Knackpunkt der meisten Vorwahlen: der Super Tuesday. Heute ist es wieder so weit. Und die Weichen scheinen auf Vorentscheidung eingestellt zu sein. Bei den Demokraten könnte Hillary Clinton nach dem Erdruschtsieg in South Carolina den Sack schon weit zu machen. Die Republikaner beginnen sich ebenfalls, mit ihrem Schicksal abzufinden. Weitere Siege von Donald Trump würden das republikanische Establishment wohl endgülitg brechen. Vieles weist auf ein Präsidentschaftsrennen Clinton vs. Trump hin, noch kann aber auch vieles passieren.

Ergebnisse und Zwischenstände der Vorwahlen der Demokraten
Ergebnisse und Zwischenstände der Vorwahlen der Republikaner

Bei den Demokraten wird heute in 12 Staaten sowie im Territorium American Samoa gewählt. Insgesamt 865 der 4.763 Delegierte werden heute Nacht vergeben. Dabei dürfte Hillary Clinton das klar bessere Ende für sich beanspruchen. Sie führt in 11 der 12 Staaten, relativ sicher unter anderem in den delegiertenreichen Staaten Texas (222 gebundene Delegierte) und Georgia (102). Bernie Sanders hat nur einen Staat klar auf seiner Seite, seinen kleinen Homestate Vermont.

Der Fokus liegt auf einigen wenigen weiteren Staaten, in denen Sanders in den Umfragen konkurrenzfähig war. Dazu zählen vor allem Minnesota (77) und Colorado (78). In diesen Staaten wird nämlich Sanders Lieblingswahldisziplin abgehalten: der Caucus. Er könnte durch hohe Wahlbeteiligungen hier an Clinton vorbeiziehen. Zudem kommen noch das liberalere Massachusetts (91) und das ultrakonservative Oklahoma (38) als mögliche Sanders-Staaten in Frage. Bei allen anderen Vorwahlen gilt Sanders als praktisch chancenlos.

Sanders braucht Siege
Der liberale Senator ist unter Zugzwang. Iowa und New Hampshire zu Beginn waren klassische Sanders-Staaten. Von diesen folgten und folgen nicht mehr viel. Dementsprechend muss er in umkämpften Staaten flächendeckend gewinnen, um noch kleine Chancen auf die Nominierung zu behalten. Sollte das heute Nacht nicht gelingen, ist Clinton zwar nicht mathematisch aber praktisch bereits durch. Ob es im Falle einer großen Niederlage einen baldigen Rückzug von Sanders gibt, ist derzeit nicht abzusehen. Es wäre den Demokraten jedoch zu wünschen, um mehr Zeit zu bekommen, die Anhänger hinter Clinton zu vereinigen und sie als große Siegerin darstellen zu können.

Trump, Trump, Trump, ein wenig Cruz und Rubio
Die Republikaner wählen am Super Tuesday in gleich 14 Staaten. Darunter ebenfalls Texas mit 155 Wahlmännern. Gesamt werden heute 689 der 2.472 Delegierten vergeben. Das mächtige Texas könnte die Vorwahlen der Grand Old Party vorentscheiden. Der texanische Senator Ted Cruz führt in den Umfragen nämlich nur hauchdünn vor Donald Trump. Eine Niederlage in seinem Heimatstaat würde Cruz nun wohl endgültig das Genick brechen. In Colorado führte in der letzten Umfrage noch Ben Carson. Die stammt allerdings vom November, es ist also wie in vielen Staaten schwer vorherzusehen, wo sie jetzt stehen.

Herausforderer Marco Rubio liegt seinerseits in den meisten Staaten auf Platz 2. Wirklich siegesfähig wirkt er nur in Minnesota, wo ein Dreikampf zwischen ihm, Trump und Cruz erwartet wird. Ansonsten darf man sich lauter Trump-Siege erwarten. Wenn die Konkurrenz in den wenig engen Staaten nicht zuschlagen kann und in vielen anderen zumindest naherückt, wird Trump die Nominierung praktisch zufliegen.

Republikaner beugen sich ihrem Schicksal
Denn die GOP stellt sich immer weiter hinter Trump. Nach der ein wenig skurrilen Unterstütztung durch Chris Christie, gab auch Alabama-Senator Jeff Sessions nach. Immer mehr salonfähige Republikaner stellen sich hinter den Fernsehstar. Doch auch die Opposition wird lauter. Es bilden sich Bewegungen für einen möglichen unabhängigen Kandidaten, der die Establishment-Flagge hochhält. Senator Ben Sasse aus Nebraska sagte als erster hochrangiger Republikaner offiziell, er werde Trump im November nicht wählen. Eine Spaltung der Republikaner ist somit durchaus im Bereich des Möglichen. Das würde einen möglichen Clinton-Sieg immens begünstigen.

Jedenfalls wird dieser Super Tuesday richtungsweisend. Läuft alles laut Umfragen, wird Donald Trump praktisch nicht mehr zu stoppen sein. Was mit seinen Konkurrenten passiert, ist unklar. Weder Cruz und Rubio, noch die Hinterbänkler Carson und John Kasich, haben angekündigt, sich von ihrer Bewerbung verabschieden zu wollen. Wie wir aber schon oft gesehen haben, kann das sehr schnell gehen.

Ob wir uns ab morgen auf das große Duell Clinton gegen Trump einstellen können, ist jedenfalls noch nicht gänzlich entschieden. Wir werden jedenfalls live und analysierend von den Entwicklung des Super Tuesdays berichten.